Nach 4 Wochen ist ein gewisser Alltag eingekehrt und vieles ist so vertraut das ich das Gefühl habe schon viel länger hier zu sein.
Das ist schön -  Angst macht mir das ich manchmal das Gefühl habe hierher zu gehören ...
Wenn ich dran denke das es in 8 Wochen vorbei ist wird mir schlecht.

Im Osten der Insel brandet der Atlantik gegen die felsige Küste.
Besonders spektakulär ist das in den Boca's - Einschnitten in der Steilküste.

Ingrid ist für 2 Tage bei uns zu Besuch und wir haben den Silvesterabend zusammen auf unsere Terasse verbracht.  Sie kann viel aus Ihrer Kindheit und Jugend erzählen - wir haben viel Spass.
Sie lebt seit 70 Jahren hier und kennt doch nur einen kleinen Teil der Insel - das ändern wir jetzt und heute Abend wird zusammen gekocht - Funci - gebratene Maismehlschnitten.

Unser "Fly-In" wird inzwischen sehr gut angenommen - die kleinen Racker putzen locker 100g Zucker pro Tag weg !         Die Tropical fressen auch Zucker, bevorzugen aber Reis und Brot.

Heute waren wir zu Besuch bei Ingrid's Verwanten Rugia und Sippi.
Rugia kocht gerne und hat
uns als Kostprobe eine Mais-Suppe mit "Fleischeinlage" serviert. 
Die Suppe war sehr gut - die "Fleischeinlage" bestand aus Magenschleimhäute die ich tapfer probiert habe und mit nicht wirklich essbar bewerten mußte - Konsistens und Geschmack Richtung Gummischlauch.     Dafür war der selbst gebackene Kuchen um so besser.
Nächste Woche kommen Sie zu uns und wir kochen zusammen - bin gespannt was das wird ... :-)

Ich habe gerade bei den Fischern am Strand von Lagun einige Scheiben Barracuda gekauft
für 8,- €/Kg !   Der Barracuda ist ein - auch für Menschen - gefährlicher Raubfisch, wird bis 2 meter lang  und wiegt bis zu 50 Kg.   Da Daggy eben etwas gelesen hat über das Risiko einer Ciguatera-Vergiftung werde ich den Fisch wohl alleine essen ...

Bei der Gelegenheit war ich an der Tauchschule und habe einen Termin für meinen ersten Tauchgang vereinbart - ich bin schon jetzt etwas aufgeregt. 

Der Fisch ist seit 2 Stunden drin und noch geht es mir gut  :-)
Vor dem Essen hat Daggy mich nochmal geküsst und meinte:    könnte das letzte Mal sein ...
Der Fisch war lecker - festes und geschmackvolles Fleisch - in Butter mit Pfeffer und geröstetem Knoblauch gebraten.     Gerösteten Knoblauch (Granulat) hab ich bei uns noch nie gesehen oder von gehört - hier ist Er zu meinem lieblings Gewürz geworden.

Am Wochenende fährt man mit der ganzen Familie schon morgends zum Strand und nimmt reichlich Essen und Getränke mit.  Es wird gekocht, gegrillt, gequatscht und gebadet.

Die Zuckervögel sind recht zutraulich geworden und - wie man sieht - schmeckt es.
Die größeren und schöneren Trupical sind sehr scheu.

Ich bin Ateist - trotzdem schau ich mir gerne Kirchen an - sie sind halt ein Teil der Kultur.
Nachdem wir die Kirche in Westpunt gesehen haben war klar:    wir müssen zum Sonntags Gottesdienst und hatten heute das Glück das 3-Königs Feier war.  
Die 3 Könige waren "persönlich" da und der Pfarrer hat sehr emotional Ihre ganze Geschichte erzählt und sich dabei besonders an die Kinder gewand.   Dazu gab es Life-Musik und einen Chor. 
Im "rituellen" Teil sprach der Pfarrer spanisch - die Predikt hiehlt Er in Papimento.
Die Kirche ist - wie alles hier - sehr bunt - die Hunde liegen unter den Bänken und die Messe ist lange nicht so steif wie bei uns - nur etwas lang.   
Selbst einige Einheimische waren mit dem Handy beschäftigt oder sind eingeschlafen.
Aus Respekt habe ich keine Bilder / Videos gemacht - nachdem ich gesehen habe das die Einheimischen filmen werde ich das nächste Woche nachholen.

Mittags waren wir am Landhuis Ascencion - dem ehemaligem Wohnsitz eines Pfarrer's - es ist
eingerichtet wie vor 200 Jahren.    Das Landhaus ist jeden 1. Sonntag im Monat geöffnet und auf dem gleichzeitig stattfindendem Markt wird schöner Schmuck und Kunsthandwerk verkauft.

Ich hatte schon immer einen Febel für Sonnenuntergänge - hier bin ich süchtig geworden !
Jeden Abend anders - jeden Abend wunderschön und ich sag mir jeden Abend:  
nicht noch einer - du hast genug Foto's - dann hole ich doch wieder die Kamera ... sind ja nur 89 ...

Ich hatte gerade meinen ersten Tauchgang und bin vollkommen erschöpft.  
Als "Fußgänger"  bewegst Du Dich unter Wasser zu 99% mittels der großen Flossen an den Füßen - als Rollifahrer nur mittels Deiner kleinen Hände, was wenig effektiv und sehr anstrengend ist.      Zudem "sitze"  ich eher im Wasser statt ausgestreckt zu schwimmen.
War trotzdem geil und der nächte Tauchgang ist schon gebucht !

Wir sind inzwischen über 1000 Km problemlos auf der Insel gefahren.
Natürlich gibt es auch hier Verkehrsregeln - die finden aber nur teilweise Interesse  :-)
Die Vorfahrt wird immer beachtet - aber ob man links oder rechts überholt ist nun wirklich egal.
Ebenso scheint vielen die Benutzung vom Blinker oder Licht bei Nacht nicht wirklich wichtig.
Es wird aber fair gefahren und es ist kein Problem sich im Stau in die kleinste Lücke zu pressen.
Stau ist das falsche Wort - Mittags fahren im Umfeld von Willenstad Viele zum Essen an eine der hunderten Essbuden entlang der Strassen - nur dann ist der Verkehr örtlich etwas zäh. 
Im Westen der Insel ist sehr wenig Verkehr - einer der Gründe warum wir lieber im Westen sind.

Gestern Mittag sind Ingrid, Rugia und Sippi wie abgesprochen zum kochen gekommen.
Da Sie keine Lust hatten noch spät abends zurückzufahren haben Sie sich gleich selbst zum Übernachten eingeladen :-)  -  zu dritt in einem Bett  :-)
Rugia hat Rind-Stobba mit Moro (Reis + Bohnen + ... ) gekocht - sehr lecker - dazu gab es natürlich die hier zu jedem Essen gehörenden gebackenen Bananen.

Anpassung und die Folgen:    Unser Hausverwalter Dirk lebt seit über 10 Jahren hier.
Vor ca. 3 Wochen habe ich Ihn um einen Accuschrauber gebeten um die noch immer losen Terassenbretter zu befestigen  ...      ich warte noch immer ...
Mit Daggy ist das ähnlich - ich warte nun seit 4 Wochen auf den versprochenen Käsekuchen -
Sie hat keine Zeit ...       Zu Hause würde ich mich über sowas aufregen - hier ist das sinnlos.

Im Augenblick habe ich nicht gerade eine Glückssträhne: 
Mein gestriger, wirklich nur kurzer Ausflug in's Gelände wurde natürlich prompt mit einem Plattfuß bestraft - und das ausgerechnet hinten.   Die fette Pelle sieht zwar geil aus - ist aber richtig Arbeit da wieder Druck drauf zu bekommen.   Nach 100 Schüben mit meiner Minipumpe hab ich aufgehört zu zählen ...    
Dann hat sich heute nach zwei trockenen Wochen die Regenzeit zurückgemeldet und es hat mich auf dem Rückweg von Lagun wieder voll erwischt.      
Ohne Spritzschutz bekomme ich das Wasser von beiden Vorderrädern in's Gesicht geschaufelt und vom Hinterrad in den Nacken.

Das einzig Angenehme:  der Regen trifft auf die von der Sonne glühendheiße Strasse wodurch das Spritzwasser wärmer ist als unsere Dusche - nächstes Mal nehm ich Duschgel mit   :-)
Und der Reifen war wieder platt ...

Nächster Essbarkeits-Test:     Die Drachenfrucht (eine Kaktusfrucht) - ist leicht süß, hat weiches und saftiges Fruchtfleisch, aber wenig Geschmack.

Gestern Abend waren wir mit unseren Nachbarn im Shelterrock Paradise - einem von Einheimischen betriebenem Restaurant auf einem Hügel bei Barber.
Freitags ist "Coconut-Night" - es gibt in Cokosnüssen gegartes Stobba auf traditionelle Art zubereitet.   Erst wird ein Loch gegraben, mit glühender Holzkohle gefüllt und die gefüllten Nüsse für 2 - 3 Stunden in die Glut gestellt.   Lecker !!!     Und die Jung's sind echt gut drauf !
Der gleichzeitig stattfindende Karaokewettbewerb war leider etwas zu laut ...  aber mal wieder zu sehen wie Einheimische und Südamerikaner tanzen können war einfach klasse. 
Die Bewegungen sind geschmeidig, fließend, Schlangenähnlich - dagegen bewegen sich  Europäer steif und eckig.

Update zum Käsekuchen:  während ich heute Vormittag mal wieder das noch immer undichte Hinterrad ausbaute hatte Daggy endlich Zeit den lange versprochenen Käsekuchen zu backen.
Zum Kaffee waren dann unsere Nachbarn da und der Kuchen war so schnell vertilgt das keine Zeit für ein Foto war  :-)                        Und - unglaublich - Dirk hat den Accuschrauber gebracht !

Die Einheimischen teilen die Insel in 2 Hälften: 
"Hofi Abou" - der entwickelten und sichere Osten und  "Banda Abou" - den  "wilden Westen".
Wenn man nach Banda Abou fährt nimmt man genug zu essen, zu trinken und sogar mehr Kleidung als erforderlich mit  - selbst Sippi sagt :    man weis ja nie was passiert ...   es ist gefährlich  :-)
Das Verhalten stammt vermutlich noch aus der kaotischen Zeit kurz nach Ende der Sklaverei und war damals wohl berechtigt .   Heute ist Banda Abou genau so "sicher" wie der Osten.

Der Warawara ist der einzige Raubvogel auf Curacao und sehr scheu - ich habe fast 6 Wochen gebraucht um Ihn zu filmen.  Er jagt zu Fuß im undurchdringlichem Unterholz Mäuse und wird hier  "Strassenreiniger"  genannt da Er auch die überfahrenen Leguane und anderen As frisst.

Bisher dachten wir das unsere Dackel-Verschnitt Dame einfach nur fett ist - aber Sie ist wohl schwanger und hat sich schon den Platz für die Geburt ausgesucht :  unseren Hausflur.
Wir werden "Großeltern" auf Curacao  :-)

Heute habe ich meine erste Bananensuppe gekocht :     1 Zwiebel fein schneiden, in 20g Butter anbraten, 300ml Gemüsebrühe zugeben und 5 minuten kochen, 2 überreife Bananen zerdrücken und zugeben, alles mit dem Mixstab fein pürieren, je 100ml Milch und Sahne einrühren und mit wenig Salz, reichlich Curry und etwas Chilli würzen.  Da die Bananen in Europa nicht so süß sind wie hier noch mit Ahornsirup oder Honig abschmecken - lecker !